Biographie
von
Johannes Joergensen



Der  Verfasser Johannes Jørgensen wurde am 6. November 1866 in Svendborg, Dänemark, geboren. Als 16-jähriger fuhr er nach Kopenhagen, wo er 1884 sein Abitur machte. Sein Leben lang war er von einem etwas melancholischen Gemüt aber auch von einem ausgeprägten Sinn für die Vielfalt und die Schönheit der Natur gekennzeichnet. In Kopenhagen entwickelte er sozialkritische Ansichten und kam in den Kreis kulturradikaler Künstler hinein, wo er sich bald geltend machte.  

Schon als ganz jung hegte er eine starke und empfindsame Vorliebe für die Poesie, und drückte darin seine Träume und Beobachtungen in einer Weise aus, die ihn lebenslang charakterisierte.

 Mit seinem angeborenen melancholischen Gemüt fand er im kulturradikalen Materialismus, der mit Eros und Lebensgenuss eine panteistische Naturverehrung verband, keinen dauerhaften  Anhaltspunkt. Mit Gleichgesinnten leitete er eine Suche nach mehr geistig erfüllten Inspirationsquellen ein. So entstand der sogenannte ”Symbolismus”, der in der Zeitschrift ”Tårnet” (”Der Turm”) einen Sprachrohr bekam. Hier suchte man neue und und ungeprüfte Wege und äusserte sich in einem metaphorischen Sprachgebrauch, der zur empfindsamen Sinnesneigung Jørgensens besser passte. Als Redakteur von ”Tårnet” entwickelte er aber eine polemische Rhetorik, die ihm den Kampf für seine Ideen nicht unbedingt erleichterte.  

Der ”Symbolismus” wurde schnell einen Dorn im Auge der herrschenden literarischen Zirkeln, die sich um die beiden Brüder Brandes gruppierten. Die jungen Aufrührer wurden hier nicht geschont. 

Für Johs. Jørgensen wurde die Begegnung mit dem jungen Juden und Silberschmied Mogens Ballin, der zum Katholizismus konvertiert war, ein Wendepunkt. Im Symbolismus hat er schliesslich nicht die geistige Tiefe und Sicherheit gefunden, die er suchte. Aus seinem Elternhaus hatte er eine Grundlage christlichen Glaubens geerbt, die ihm auch nicht in seiner kulturradikalen Periode ganz verliess. Diese Erbe machte sich nun wieder geltend als ein Verlangen nach Vertiefung in christlicher Mystik – aber der Weg wurde nicht leicht. Eine lange Zeit mit inneren Kämpfe verlief, und aüssere und innere Kräfte stritten gegen einander, bis er den Hafen der geistlichen Geborgenheit finden konnte.   

Im Jahr 1894 besuchte er in Begleitung Mogens Ballins zum ersten Mal Assisi. Das wurde der Anfang zu dem, was seinem zukünftigen Leben am meisten prägen sollte, seine Liebe zum grossen Sohn Assisis, dem Heiligen Franziskus. Die enge Freundschaft mit Mogens Ballin und die Begegnung mit dem Hl. Franziskus löste endlich den Sinneswechsel aus, der zum Ubergang an den Katholizismus in 1896 führte, und seine schriftstellerische Tätigkeit entscheidend wandelte. 

1907 gab Johannes Jørgensen seine grosse Biographie über den heiligen Franziskus heraus. Dieses Buch schaffte ihm Weltruhm, und machte ihm schliesslich zu Ehrenbürger in sowohl Assisi wie in seiner Geburtsstadt Svendborg   Jetzt schien er den Weg als Verfasser gefunden zu haben, der seiner Berufung entsprach. Die franziskanische Spiritualität erfüllte sein Bewusstsein so sehr, dass er 1915 beschloss, sich in Assisi anzusiedeln. 

Hier verblieb er, nur von den Kriegsjahren 1938 bis 1947 abgebrochen, als er sich in Vadstena ansiedelte um dort seine Biographie über die heilige Birgitta zu schreiben. Das war seine dritte grosse Heiligenbiographie, die viele Jahre nach dem Buch über St. Katharina von Siena folgte. Seine Liebe zur franziskanischen Mentalität brachte eine Reihe weitere Bücher hervor mit der umbrischen Welt als Ausgangspunkt. Für ihn bildeten Geist und Natur hier eine höhere Einheit. 

Johannes Jørgensens lebenslange, beinahe schwärmerisches Verhältniss zur Natur, die bunte Mannigfaltigkeit der Jahreszeiten, der Blumen und des Lebens hatten sich, wie erwähnt, in seiner Jugend in eine panteistische Verehrung der Natur gestaltet. Diese Liebe zur Natur hat ihm auch später nie verlassen; überall gab er sich gerne in malerische Naturbeschreibungen hin. Aber in der Schilderung des Verhältnisses des heiligen Franziskus zur Natur, schmiltzen diese beiden Leidenschaften – für Gott und für die Natur - zusammen. Die Gottheit, die er in seiner Jugend in der Verehrung der Natur selbst suchte, sah er jetzt als ein Abbild von der Wahrheit Gottes.

 Nach Ende des Krieges fuhr er nach Assisi zurück. Der Alter drückte ihn aber allmählich und 1952 zog er wieder nach Svendborg, wo man ihm seine Elternhaus als Ehrenwohnung angeboten hatte. .   

Im Jahr 1913 hatte er nach einer immer problematischeren Ehe seine Frau Amalie geb. Ewald und ihren sieben Kindern verlassen. Als Katholik  konnte er keine neue Ehe eingehen, aber als Amalie 1935 starb, heiratete er 1937 die Österreicherin Helena Klein.

Johannes Jørgensen starb am 29. Mai 1956, 90 Jahre alt, und wurde am Stadtfriedhof  begraben.

 Es ist schwierig, die Autorschaft Johannes Jørgensens auf einem Nenner zu bringe. Seine lebenslange Suche brachte ihm lange und schwere Kämpfe. Als überzeugter Katholik hatte er freilich einen festen geistigen Standort, aber mit sich selbst musste er weiterhin kämpfen – mit seiner unruhigen und schwermutigen Natur, die er aus seiner Kindheit mit sich brachte.

 Ungeachtet seines Katholizismus machte sein offener Beobachtungsvermögen ihm weit ausserhalb den katolischen Kreisen geschätzt. In seinen Reiseschilderungen kann er mit seinem Geistesverwandten, den gleichfalls fünischen Dichter Hans Christian Andersen, verglichen werden. Vor allem bewunderte man seinen ausgezeichneten Sprachsinn. Blieb er in Dänemark teilweise ein Fremder, genossen seine Werke im grossen Ausland eine je grössere Aufmerksamkeit. Nur noch eben H.C.Andersen ist häufiger aus dem Dänischen übersetzt worden.

 Die Lyrik ist vielleicht der Teil seiner Werke, der Johannes Jørgensen die meisten Bewunderer in seinem Vaterland gewonnen hat. Wenn auch ”Højskolesangbogen” heute nur ein einziges seiner Lieder aufgenommen hat, lesen viele immer noch seine Lyrik wegen der schönen Formsprache und dem unvergleichbaren Natursinn.